2003 coronaNews aus unserer Bibliothek

Zum Jahresauftakt berichtet der EOV-Bibliothekar Allard Eekman über kürzlich erworbene Werke und  die Notenausleihe in Coronazeiten. Vielleicht führt Ihr Orchester ja bald das neu ausleihbare  chinesische Marimbakonzert auf.

Allard Eekman – 2020 wurden für die EOV-Bibliothek wiederum mehrere Werke neu angeschafft. Neben bekannteren Kompositionen von Händel und Mozart auch ein etwas ausgefalleneres Stück, welches für gewisse Orchester gerade deshalb interessant sein könnte: das Konzert für Marimba und Orchester Nr.1 des chinesischen Marimbaspielers und Komponisten Chin-Cheng Lin – eine Herausforderung.

Unter den 44 von einem Dirigenten übernommenen Werken befinden sich zum Beispiel die Dritte Sinfonie von Hubert C. Parry, die Sinfonischen Dichtungen In the Forest und Thesea des litauischen Komponisten Mikalojus Ciurlionis, alle für Sinfonieorchester und die Raymonda-Suite für grosses Sinfonieorchester von Alexander Glasunow. Diese eher unbekannten, aber spannenden Werke verdienen es, öfter aufgeführt zu werden.

Die Bibliothek hat auch im vergangenen Jahr einige Schenkungen bekommen. Erwähnenswert ist der Nachlass von Margrit Fialowitsch, einer Musiklehrerin und Dirigentin, die im Wallis lange ein Jugendorchester leitete. Dabei handelt es sich vor allem um Werke für Streichorchester und selten aufgeführte Solokonzerte aus Barock und Klassik. Allgemein etwas problematisch ist, dass bei erworbenen zeitgenössischen Werken die Aufführungsrechte beschränkt sind. Es wäre gut, wenn eben diese Musik öfter aufgeführt würde.

Zur aktuellen Lage
Auch für die Bibliothek war 2020 ein spezielles Jahr. Viele Mitgliedsorchester haben aufgrund der Corona-Pandemie ihre schon lange im Voraus geplanten Konzerte aufschieben müssen. Die ausgeliehenen Noten wurden oft verlängert, aber in vielen Fällen auch ungebraucht zurückgeschickt. Was die Ausleihgebühren betrifft, musste die Bibliothek deshalb entgegenkommend sein. Grundsätzlich wird im Moment klar weniger ausgeliehen als sonst. Die Tatsache, dass verschiedene Orchester für das neue Jahr besondere Wünsche haben, beweist jedoch eine Hoffnung, dass in naher Zukunft wieder Orchesterproben geplant werden können.

Interessant ist, dass im Vergleich mit den Bibliotheken von ausländischen Partnerorganisationen, die wie der EOV Mitglied der European Orchestra Federation (EOFed) sind, in der Schweiz das Niveau der Ausleihen relativ stabil geblieben ist. In den Niederlanden zum Beispiel gehen die Zahlen viel stärker zurück. Ein Grund dafür ist wahrscheinlich, dass die Gebühren dort viel höher sind, weil in der Bibliothek nur reguläre Angestellte arbeiten, die einen normalen Lohn verdienen. Bei uns sind die Gebühren unter anderem tief, weil das Bibliothekspersonal zu einem wesentlichen Teil ehrenamtlich tätig ist.

Die personelle Lage
Meine beiden Kolleginnen erledigen vor allem die Arbeit im Bereich Ausleihe. Dies bedeutet, dass sie bestellte Noten heraussuchen und dann verschicken. Sie übernehmen zudem das Zurückbuchen und Kontrollieren der Noten, oft leider auch das Radieren der vielen Bezeichnungen in den einzelnen Stimmen. Sie nummerieren und stempeln ebenfalls alle Teile der neu katalogisierten Noten. Ich selber beschäftige mich vor allem mit dem Bestellen und Katalogisieren der Noten, wie meine Kolleginnen aber auch mit der Triage von Geschenken – manchmal sind es mehrere volle Kisten! Auch habe ich ziemlich oft Kontakt mit Orchestern, die spezielle Wünsche haben oder eben ihr Noten-Archiv der EOV-Bibliothek schenken wollen, wie es zum Beispiel im vergangenen Herbst das Orchestre d’Yverdon gemacht hat.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das vergangene Jahr trotz der Schwierigkeiten reich an Ereignissen war und dass es einen regen Austausch gegeben hat.